Verärgerte Hörerinnen und Hörer –
«Bodenlose Frechheit», «Zumutung»: So fallen die Reaktionen auf die UKW-Abschaltung ausAnfang Jahr hat das Schweizer Radio seine UKW-Frequenzen eingestellt und auf DAB+ umgeschaltet. Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt, wie sie damit umgehen.
Grosser Ärger, einbrechende Publikumszahlen: Seit das Schweizer Radio auf Ende des letzten Jahres seine UKW-Frequenzen eingestellt hat, haben die Radiosender der SRG bis zu 30 Prozent ihres Publikums verloren. Viele Hörerinnen und Hörer sind verärgert, weil sie mit ihren Geräten, zum Beispiel im Auto, SRF nicht mehr empfangen können. Nächste Woche wird der Nationalrat über eine Aufschiebung der UKW-Abschaltung bei den Privatradios debattieren, die zurzeit auf Ende 2026 geplant ist. Wir haben unsere Leserinnen und Leser gefragt, wie sie mit der UKW-Abschaltung der SRF-Sender umgegangen sind, ob sie zum Beispiel ihr Auto auf DAB+ umgerüstet haben. Das Echo war überwältigend: Wir haben Hunderte Zuschriften erhalten.
Tschüss SRG, hallo Privatradios!
Radiohören ist für viele unserer Leserinnen und Leser ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. In der Freizeit, beim Arbeiten, Abwaschen, Autofahren, Kochen oder Basteln: Häufig ist das Radio als Informations- und Begleitmedium mit dabei. Viele hörten die Programme von SRF via UKW, oftmals seit ihrer Kindheit. Bis zur Abschaltung. Seither sagten viele «Tschüss SRG» und wechselten zu privaten Lokalradios wie Radio 24, Radio Zürichsee, Energy, Argovia, Radio Basilisk, Top, BeO oder Radio 1, die seit der UKW-Abschaltung der SRF-Kanäle einen starken Zuwachs beim Publikum verzeichnen. Auch ausländische Angebote wie der Südwestdeutsche Rundfunk haben nun mehr Hörerinnen und Hörer aus der Schweiz.
Sie vermissen Sven Epiney und Philip Maloney und ärgern sich über «zwangsfröhliche» Moderatoren
Trotz vollzogenem Wechsel fällt den früheren SRF-Hörerinnen und -Hörern der Abschied von den SRG-Angeboten oftmals schwer: Sie vermissen zum Beispiel die Stimmen von Tina Nägeli und Sven Epiney, die Philip-Maloney-Folgen oder Hintergrundsendungen wie das «Echo der Zeit». Unbefriedigend finden die früheren SRF-Hörerinnen und -Hörer auch die Qualität der Privaten: Die Informationen seien dürftig, die Musikauswahl wiederhole sich dauernd. Auch die Werbeunterbrechungen und die «zwangsfröhlichen» Moderationen bei den Privaten finden nicht gerade wenige anstrengend bis ärgerlich.
Der Wecker, das Auto, der Hobbyraum: Was gegen die Umrüstung spricht
Gegen eine Umrüstung auf DAB+ spricht für viele der hohe Aufwand: Beim Fiat Panda seiner Frau habe sich die Umrüstung als «knifflig» und «zeitaufwendig» erwiesen, schreibt ein Leser, es entstanden Kosten von 600 Franken. Auch andere berichten von technischen Schwierigkeiten – und Kosten von mehreren Hundert, teils sogar über tausend Franken. Oft ist es nicht nur ein Radio im Auto, das umgerüstet werden müsste. Auch das Gerät im Badezimmer, im Ferienhaus, im Hobby- und Bastelraum und der Radiowecker müssten ersetzt oder umgerüstet werden. Bei den wechselnden Standards – von UKW über DAB hin zu DAB+ – falle ziemlich viel Elektroschrott an. «Dass unsere Regierung diese Schnelllebigkeit unterstützt und im Gegenzug Nachhaltigkeit predigt, finde ich bedenklich», schreibt dazu ein Leser.
Ja zur Halbierungsinitiative oder nur noch ein «knurrendes» Nein
Viele unserer Leserinnen und Leser verstehen nicht, warum die Schweiz eine Pionierrolle beim Digitalradio einnehmen soll, während in Frankreich und Deutschland die öffentlich-rechtlichen Programme weiterhin über UKW empfangen werden können. Warum soll das in der Schweiz parallel zu DAB+ nicht möglich sein?, fragen einige von ihnen. Die Kosteneinsparungen durch die UKW-Abschaltung seien für die SRG doch vergleichsweise gering. Die DAB+-Technologie empfinden viele auch als ungenügend: In Autotunnels breche der Empfang ab, berichten sie. Bei der Fahrt durch die Schweiz gebe es generell Empfangslöcher. Daher haben viele «blankes Unverständnis» für die UKW-Abschaltung, sie nennen sie eine «bodenlose Frechheit», eine «Zumutung», eine «Zwängerei», die mit dem Service public nicht vereinbar sei. Von einem «Volksradio ohne Volk» schreibt ein Leser. Ein anderer spricht von einem «Eigengoal» im Hinblick auf die Halbierungsinitiative, über die nächstes Jahr abgestimmt wird. Bei einigen ist der Ärger über die UKW-Abschaltung so gross, dass sie als frühere SRF-Fans nun ein Ja zur Halbierungsinitiative beschlossen haben oder nur noch «knurrend» ein Nein in die Urne einwerfen wollen.
Habt euch doch nicht so!
Zum Ärger über die UKW-Abschaltung gibt es aber auch zahlreiche Gegenstimmen: Die Umrüstung des Autos sei ihnen leichtgefallen, die Qualität sei «tipptopp». Sie seien beide über 80 Jahre alt und hätten keine Probleme, im Auto über DAB+, zu Hause übers Internet Radio zu hören, teilt ein Ehepaar mit. «Das Gejammer über die Abschaltung von UKW-Sendern verstehe ich überhaupt nicht», schreibt ein anderer Leser. Selbst im Auto funktioniere DAB+ auf den Strecken, die er normalerweise befahre, «weitgehend störungsfrei». Auch andere Leserinnen und Leser wundern sich über den Ärger: Das Ende von UKW sei in den SRF-Programmen schon vor Jahren angekündigt worden. Bei anderen Technologien – etwa den Self-Scanning-Kassen – zeige man sich ja auch offen.
Singen im Auto und einen «Pilgermarsch» zum UKW-Abschied
Immerhin in einem Punkt gibt es in der DAB+- und UKW-Fraktion teils Einigkeit: Mit der UKW-Abschaltung haben viele Leserinnen und Leser Neues für sich entdeckt, etwa ausländische Sender wie Deutschlandfunk, BBC oder France Inter. Sie greifen auch auf Hörbücher zurück – oder auf ihre CD- und Vinyl-Sammlung. Oder gehen angesichts des Fortschritts technologisch noch weiter zurück: «Wenn es keine UKW-Sender mehr gibt, werde ich in meinem Auto wieder ein Kassettengerät einbauen, macht mehr Spass als CDs», schreibt ein Leser. Sie habe keinen Adapter gefunden, um ihr Auto umzurüsten, «deshalb singe ich auf dem Arbeitsweg, was Laune, Lunge und Stimme besser tut als die traurigen Nachrichten» aus aller Welt, schreibt eine Leserin. Einen Abschied vom UKW-Zeitalter ganz anderer Art plant ein Leser, der nach eigenen Angaben unter dem «Mittelwellen-Stern Beromünster» geboren und mit dem heutigen SWR-Radio sozialisiert wurde: Zusammen mit einem Freund will er auf einem elftägigen «Pilgermarsch» in Süddeutschland vom Sendeturm Feldberg bis zum Sendeturm Stuttgart wandern.
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